Ulrich Möckel, Kontur

125 Jahre Museumsverein Hamm hat der Museumsverein zum Anlass genommen, im Arkadengang, vor dem Haupteingang des Gustav-Lübcke-Museums, die neueste Schenkung des Museumsvereins an das Museum zu installieren. Es handelt sich um ein  ca. zwei Meter hohes Aluminiumobjekt des Künstlers Ulrich Möckel mit dem Titel "Kontur". Das Kunstwerk nimmt die Form eines Kirschbaumes auf. Es ist in Aluminium gegossen und mit Lack chromnah beschichtet. Das Werk zeichnet die Lebensgeschichte des Baumes nach, sagt der in Beckum lebende Künstler. Seit vielen Jahren stellt Ulrich Möckel den Baum in den Mittelpunkt seines Schaffens. Möckel zeichnet die Lebensgeschichte des Baumes mit der Kontur nach, die individuell wie ein Fingerabdruck ist. Die Proportionen des ursprünglich 40 cm Stammumfanges messenden Kirschbaums wurden bei der Vergrößerung erhalten. Das Werk korrespondiert nun mit den drei realen Bäumen im Innenhof des Gustav-Lübcke-Museums.

Bernard Schultze (Schneidemühl 1915 - 2005 Köln)

Licht-Sommer-Tänze, Öl auf Leinwand, 1982, 80 x 100 cm, rechts unten signiert und datiert, rückseitig signiert, bezeichnet und datiert T-Migof, Objekt aus Draht und Pappmaché, bemalt 1969, 52 x 25 x 22 cm, signiert und datiert

Bernard Schultze gehört mit Heinz Kreutz, Karl Otto Götz und Otto Greis zu den Malern der legendären Quadriga, die 1952 mit einer Ausstellung in der Zimmergalerie von Klaus Franck in Frankfurt das deutsche Informel einleitete. Er zählt zu den bedeutendsten Protagonisten dieser innovativen Richtung der Kunst nach 1945. Geboren in Schneidemühl/Westpreußen (heute Polen) und ausgebildet an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin und an der Kunstakademie Düsseldorf, muss er von 1939-45 am Zweiten Weltkrieg teilnehmen. Ab 1951 werden, inspiriert von den Arbeiten der Künstler Wols und Riopelle in Paris, die ersten informellen Bilder gemalt. Ausgehend von der surrealistischen Technik der écriture automatique entstehen in einem Arbeitsprozess zwischen unbewusstem Treibenlassen und Kontrolle ungegenständliche Farbgeflechte, die sich unhierarchisch auf der Bildfläche ausbreiten. Bereits ab 1954 erweitert Schultze seine Gemälde in den Raum durch Einklebungen und Anreicherungen mit Fremdmaterial. Daraus entwickeln sich nach 1960 die sogenannten Migofs, organisch anmutende Gestalten in einem Niemandsland zwischen Malerei und Plastik. Sie sind übergängige Objekte zwischen Wachstum, Gedeihen, Verwesung und Verfall wie auch zwischen konkreter Dingqualität und irrealer Erscheinung. Schultze sagt dazu: „Meine Migofs entstanden aus Faltengebirgen meiner Leinwände. Mit Nägeln, Holzsplittern gespickt, bis sie größer sich blähten, zu Körpern gemartert und blühenden Blumen ähnlichen Tieren in lieblichen Düften sie glichen. Sie wuchsen und wuchsen, bis sie an den Wänden sich rekelnd Migofs getauft wurden… ein Migof ist der Name für eine Kreatur, die sonst nicht mehr existent ist oder nie existiert hat.“ Die Migofs sind Schultzes eigenständiger Beitrag zur Weiterentwicklung des Informel, die vorübergehend auch Gegenständliches zulässt. Das Gustav-Lübcke-Museum besitzt einige druckgraphische Bearbeitungen des Migof-Themas aus mehreren Jahrzehnten, die zum Teil bereits von Herrn Dr. Zink erworben wurden und großzügig auch kürzlich von der Galerie Zimmer in Düsseldorf geschenkt worden sind. Der Erwerb eines Migofs als originale Farbplastik stellt eine ideale Ergänzung und kostbare Aufwertung des bisherigen Besitzes zu diesem Thema dar. Mit der Sammlung Lückeroth gelangten 2003 zwei frühe Papierarbeiten von 1955 und 1958 in die Sammlung, auf denen sich ein informelles Tuschegeflecht ausbreitet. Ein Leinwandgemälde besitzt das Museum noch nicht. Das zum Erwerb stehende Ölbild gehört zu den Arbeiten des Spätwerks, die die Kontinuität des eigenwilligen abstrakt-expressiven Schaffens des Künstlers belegt.

 

Hamm im Silberglanz

Silber des Barock und des Klassizismus aus Hamm

Dass es in Hamm ein altes Silberschmiedehandwerk gegeben hat, war zwar schon seit langem bekannt, aber man verfügte über wenig konkrete Kenntnisse. Erst 1969 gelang es dem damaligen Museumsdirektor Herbert Zink mit einer Ausstellung zum Hammer Silber, etliche Objekte mit Namen von Silberschmieden und Daten zu verbinden. Zu den bedeutendsten Silberschmieden der Barockzeit gehörte in Hamm der Silberschmied Christian Hövel, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts tätig war. Christian Daniel Kühl, der aus Iserlohn stammend 1795 in Hamm heiratete und hier tätig war, verdanken wir Silberarbeiten im Stil des Klassizismus. Von diesen Meistern stammen ein Rechaud und ein silbernes Leuchterpaar, die dem Gustav-Lübcke-Museum jetzt aus dem Kunsthandel zum Erwerb angeboten worden sind.

Der Rechaud wurde zum Erhitzen eines Wasserkessels verwendet, der für den Aufguss von Tee diente. Das Entstehungsjahr des Rechauds geht aus der Stempelung hervor, die aus dem Meisterzeichen, märkischem Schachbalken, dem preußischen Zepter und dem Jahresbuchstaben V für das Jahr 1730 besteht. In seiner kunstvollen Gestaltung mit Klauenfüßen und üppig sich wellendem Akanthusblattwerk hält der Rechaud jeden Vergleich mit Werken aus den großen Zentren für kostbare Silberwaren wie Augsburg, Paris oder London aus. Dies gilt ebenso für das gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Leuchterpaar. Über einem gestuften Sockel erhebt sich der kannelierte Schaft, den eine antikisierende Vase bekrönt. Umlaufende Perlstäbe sowohl am Fuß des Schaftes als auch an den Rändern der Vase betonen die horizontale Gliederung. Einen feierlichen Akzent setzen die den oberen Abschluss des Schafts markierenden Festons, Draperien, die durch Ringe gesteckt sind. Wie die an den Sockeln der Leuchter eingravierten Wappen der Adelsfamilien von Torck und von Plettenberg zeigen, deren Namen mit Herrenhäusern in der Umgebung von Hamm und Unna verbunden sind, spiegeln die Leuchter ein bedeutendes Kapitel westfälischer Geschichte wieder.

 

Johannes Molzahn Opus XXXI, 1921

Der Holzschnitt "Opus XXXI" von Johannes Molzahn aus dem Jahre 1921 stammt aus dem Nachlass des Soester Bildhauers Wilhelm Wulff, dem der Künstler dieses Exemplar eigenhändig gewidmet hat. Johannes Molzahn, 1892 in Duisburg geboren, erhielt seine erste künstlerische Ausbildung in Weimar. Schon 1912 kam er mit Johannes Itten, Willy Baumeister und Oskar Schlemmer in Kontakt. In diesem Jahr sah er auch die künstlerische Avantgarde in der Herbstsalon-Ausstellung der Galerie "Der Sturm" von Herwarth Walden in Berlin. 1923 wurde Molzahn durch Bruno Taut an die Kunstgewerbeschule Magdeburg als Leiter der Klassen für Werbegrafik, Satz, Druck und Lithografie berufen. 1928 trat er eine Professur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau an, eine Institution, die stark mit der Bauhausidee verbunden war. Nach seiner Emigration 1938 in die USA war er als Professor an der "School of Design" in Chicago tätig, 1959 kam er nach Deutschland zurück, wo er 1965 in München verstarb. In seinem druckgrafischen Werk der Zeit spiegelt sich die kristalline Struktur und Dynamik der geometrischen Formen als Ausdruck der neu zu schaffenden Welt wider. Aus dem Werkverzeichnis der Druckgrafik von Johannes Molzahn geht hervor, dass von dem Holzschnitt "Opus XXXI" nur 12 Exemplare gedruckt worden sind. Nur zwei von ihnen ließen sich nachweisen, eins befindet sich im Museum in Breslau, das zweite in der Art Gallery der Yale University in New Haven, Conneticut. Diesen beiden wäre nun das hier vorliegende Exemplar aus dem Nachlass Wulff hinzuzufügen. Die Erwerbung des Holzschnitts "Opus XXXI" für die Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums fügt sich glänzend in das Ensemble von Werken aus der Frühzeit der Moderne im Gustav-Lübcke-Museum ein, die die avantgardistischen Strömungen zwischen Expressionismus und Konstruktivismus bzw. Neuer Sachlichkeit widerspiegeln.

 

Arnold Topp Sonnenuhr, 1920

Der Holzschnitt "Sonnenuhr" von Arnold Topp aus dem Jahr 1920 stammt aus dem Nachlass des Soester Bildhauers Wilhelm Wulff, dem der Künstler diesen Abzug eigenhändig gewidmet hat. Arnold Topp, 1887 in Soest geboren, war schon früh in freundschaftlichem Kontakt zu dem Soester Künstlerkreis um Wilhelm Morgner, Eberhard Viegener und Wilhelm Wulff getreten. Er begann 1910 eine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Schon in dieser Zeit kam er in Kontakt zu den rheinischen Expressionisten. 1913 erfolgte seine Anstellung als Zeichenlehrer am "von Salderschen Realgymnasium" in Brandenburg. Die Nähe zu Berlin intensivierte Arnold Topps Beziehungen zu Herwarth Walden und dessen Galerie "Der Sturm", in der er 1915 erstmals austellte. Über die Galerie kam Topp mit den bedeutendsten Künstlern der Avantgarde in Kontakt, darunter Bruno Taut und Georg Muche. Noch während des Krieges begann Topp in einer kubistischen Bildsprache die revolutionären Ideen der Zeit umzusetzen. 1919 gestaltete er den Einband von Adolf Behnes Buch zum Expressionismus "Wiederkehr der Kunst", von dem sich ein Exemplar im Gustav-Lübcke-Museum befindet. In diesem Jahr ist offensichtlich auch der Holzschnitt "Sonnenuhr" entstanden, von dem ein zweites Exemplar diese Datierung aufweist. Im folgenden Jahrzehnt schuf Arnold Topp ein spektakuläres Werk, das er auf vielen nationalen und internationalen Ausstellungen zeigen konnte. Charakteristisch für sein Werk ist die kompositorisch angelegte innere Dynamik, seine Ölgemälde kennzeichnet eine glühende Farbigkeit. In der Zeit des Nationalsozialismus als "entartet" verfemt, wurde er noch 1945 zum Volkssturm eingezogen, galt seither als verschollen und wurde 1961 für tot erklärt. Viele seiner dokumentierten Werke sind verschollen. Für den Kunstmarkt hat dies zur Folge, dass, wann immer Bilder von Arnold Topp auf Auktionen auftauchen, diese äußerst begehrt und teuer sind. Die Erwwerbung des Holzschnitts durch den Hammer Museumsverein stellt für die Erweiterung der Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums einen besonderen Glücksfall dar.

Beide Holzschnitte sind in der Ausstellung "Neue Sachlichkeit in Hamm" vom 16. Mai - 27. Juli 2008 im Gustav-Lübcke-Museum zu sehen.

Album amicorum - Wiethaus, Heinrich David Reinhard

Dem Museumsverein ist es gelungen, kurzfristig das "Freundschaftsalbum" des David Reinhard Wiethaus anzukaufen. Es ist im Moment in der Sonderausstellung

"Es gibt ausgezeichnete Köpfe hier" - Das preußische Hamm um 1800

zu sehen.Das außerordentlich schöne Stammbuch enthält Eintragungen aus Wiethaus` Hallenser und Jenenser Universitätsjahren als Student der Rechte. Bei den zahlreichen Corpssigneten handelt es sich wohl um das Corps Frisia, dem außer Wiethaus zahlreiche friesische und westfälische Studenten angehörten. - Als Freund eingetragen hat sich unter anderen Arnold Mallinckrodt aus Dortmund, der Rechtswissenschaften in Jena studierte und später in Dortmund den Westfälischen Anzeiger begründete, der auch in Hamm gelesen wurde, da es hier vor 1822 keine eigene Zeitung gab.

Zur Person David Reinhard Wiethaus: Wiethaus, in Unna geboren, war lange Zeit zunächst Bürgermeister der Stadt Hamm und von 1817-1836 Landrat im Kreis Hamm. 1795 heiratete er in Hamm Wilhelmine Luise Keller, die Tochter das Hammer Bürgermeisters Johann Heinrich Arnold Keller. Er lebte in einem repräsentativen Wohnhaus auf der Weststraße 39, das Haus fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Neben dem Stadthaus in Hamm besaß Wiethaus auch die Güter Heithof in Hamm-Mark und Lettenbrock bei Altenbögge. Nach langer Tätigkeit für die Stadt und den Kreis Hamm bat Wiethaus am 8. Mai 1835 um seine Pensionierung aus gesundheitlichen Gründen, diesem Ansinnen wurde entsprochen und sein Nachfolger Karl von Bodelschwingh übernahm seine Amtsgeschäfte.